Schluss mit dem Winterblues
„Zunächst einmal ist es völlig normal, dass man sich im Winter antriebslos fühlt“, sagt Dr. Wibke Dubbert, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, die Mitglied im Praxisnetz Kiel ist. Der Grund: In der Dunkelheit produziert unser Körper mehr Melatonin – das Schlafhormon, das uns müde macht. Blöd nur, dass unser Alltag trotzdem volle Energie verlangt.
Was ist eigentlich der Winterblues?
„Ein Winterblues hat erst einmal nicht die Qualität einer Depression“, betont Dr. Wibke Dubbert. Man fühlt sich zwar müde, kraftlos und das Aufraffen fällt schwer. Die Stimmung kann gedrückt sein, manchmal mischt sich auch eine leichte Melancholie dazu – aber es handelt sich nicht um eine echte Depression. Typisch ist auch, dass man sich gerne zurückzieht und weniger Lust auf Aktivitäten hat als sonst. Kurz gesagt: Der Winterblues ist ein Stimmungstief, das viele betrifft – aber es gibt Wege heraus.
Das hilft gegen den Winterblues:
- Rausgehen – und zwar mittags!
Das Allerwichtigste: Tageslicht tanken. Bewegung und Licht sind die besten Stimmungsaufheller. „Auch in unseren Breitengraden reicht die Lichtintensität in Herbst und Winter aus, um stimmungsaufhellende Hormone zu produzieren“, erklärt die Expertin. Darum am besten täglich mittags raus, wenn die Sonne am höchsten steht. Wichtig: Damit Vitamin D gebildet werden kann, sollte die Haut nicht komplett hinter Schal und Mütze eingemummelt sein. Vitamin D stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern sorgt auch dafür, dass der Knochenstoffwechsel gut funktioniert. Die Bildung von Serotonin und Dopamin – unsere Glückshormone – werden durch die Bewegung angeregt. Tageslichtlampen können zwar eine gute Ergänzung sein, ersetzen aber nicht das echte Sonnenlicht.
- Bewegung – aber regelmäßig!
Ein einmaliger Sonntagsspaziergang reicht nicht aus. Wer sich täglich frisch und munter fühlen möchte, sollte sich auch täglich draußen bewegen – auch wenn es nur 20 Minuten sind. Die frische Luft kurbelt den Kreislauf an, das Licht hellt die Stimmung auf.
- Powernap statt Dauerschlaf
Ein kleiner Mittagsschlaf kann Wunder wirken. „Ein kurzes Nickerchen von 20 bis 30 Minuten ist sinnvoll – länger sollte es nicht dauern, sonst fühlt man sich danach noch müder“, so die Fachärztin. Ein Trick aus der Schlafforschung: Legen Sie sich mit einem Schlüssel in der Hand aufs Sofa, der Arm hängt locker nach unten. Sobald der Schlüssel zu Boden fällt, wachen Sie auf – genau im richtigen Moment, um erholt in den Nachmittag zu starten.
- Vitamine & Co.
Vitamin C macht nicht direkt glücklich, aber ein Mangel kann dafür sorgen, dass man sich schneller schlapp fühlt. Vitamin D hingegen spielt eine zentrale Rolle für Immunsystem und Knochen – darum ist Sonnenlicht so wichtig.
- Zuhause gemütlich machen
Winterzeit ist auch Kuschelzeit. Kerzen, Tee, ein gutes Buch oder ein Hörspiel: Kleine Wohlfühlrituale bringen Wärme in die dunklen Monate. Auch kreative Tätigkeiten wie Handarbeiten oder Plätzchenbacken tun gut – vor allem, wenn man sie mit anderen teilt.
- Auf soziale Kontakte achten – aber ohne Stress
Freunde treffen, zusammen kochen oder einen Spieleabend veranstalten – all das hebt die Laune. Wichtig ist nur, dass es nicht in Stress ausartet. „Hören Sie auf Ihr inneres Bedürfnis“, rät die Psychotherapeutin. Wer Lust auf Gesellschaft hat, sollte sie suchen. Wer eher Ruhe braucht, darf sich guten Gewissens zurückziehen.
Und wann wird es ernst?
Der entscheidende Unterschied zur Depression liegt in der Intensität und Dauer der Symptome. Dr. Wibke Dubbert: „Wenn Sie eine echte Antriebslosigkeit verspüren, sich also nicht mehr zu Tätigkeiten aufraffen können, die Sie üblicherweise gerne machen, wenn Schlafstörungen auftreten, eine übermäßige Gereiztheit oder Konzentrationsschwäche, dann könnte es sich um eine depressive Verstimmung handeln.“ In diesem Fall ist der erste Schritt immer der Gang zum Hausarzt, um weitere Hilfe einzuleiten.