Ärzte protestieren gegen Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen
Fahrt zur zentralen Kundgebung in Berlin - Zahlreiche Praxen in Kiel und Umgebung bleiben am 18. Januar geschlossen - Notdienst gewährleistet
Kiel - Aus Protest gegen die Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen, bleiben zahlreiche Arztpraxen am 18. Januar 2006 in Kiel und Umgebung geschlossen. Ein fahrender ärztlicher Notdienst ist jedoch eingerichtet und unter der bekannten Telefonnummer 192 92 zu erreichen; auch die Notfallpraxis Kieler Ärzte im Städtischen Krankenhaus, Chemnitzstr. 33, ist ständig besetzt.
Mit der Schließung der Praxen sowie einer Sternfahrt zur zentralen Kundgebung in Berlin wollen die Ärzte der Landeshauptstadt ein Signal an Öffentlichkeit und Politik senden, um die längst überfällige Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung einzufordern.
"Wir wollen mit der Aktion deutlich machen, dass wir gegen das Kaputt-Sparen der ärztlichen Versorgung und gegen eine staatlich verordnete Minimal-Medizin sind", erläuterte Matthias Seusing vom Vorstand des Regionalen Praxisnetzes Kiel (RPN), das die Protestaktion in Kiel koordiniert.
Wie Seusing weiter deutlich machte, setzen sich die protestierenden Ärzte in berechtigter Sorge um den Fortbestand der ambulanten Versorgung vor allem für folgende Punkte ein:
Fortbestand der freien Arztwahl,
wohnortnahe ärztliche Versorgung,
wirtschaftlich tragfähige Grundlagen der Arztpraxen,
gesicherte Arbeitsplätze im ambulanten ärztlichen Bereich,
Erhalt der modernen Medizintechnik in den Praxen,
optimale Patientenbetreuung,
angemessene Honorare für die ärztliche Tätigkeit.
Nach einer Umfrage des Regionalen Praxisnetzes unter den Mitgliedern werden allein in Kiel und Umgebung über 170 Arztpraxen aller Fachrichtungen geschlossen bleiben.
Unternetz
Praxen gesamt
Praxen, die schließen
%
Mitte
91
49
54%
Nord
30
18
60%
Offen
64
28
44%
Ost
79
47
60%
West
40
32
80%
304
174
57%
Mehr als 100 Ärztinnen und Ärzte sowie Arzthelferinnen werden mit dem Zug zur Protestveranstaltung in die Bundeshauptstadt fahren, zu der eine Vielzahl von Berufsverbänden bundesweit aufgerufen hat. Die Abschlusskundgebung findet vor dem Bundesgesundheitsministerium statt.