Regionales Praxisnetz Kiel feiert zehnjähriges Jubiläum
Aus einem losem Verbund wurde das größte Ärztenetz Deutschlands
Kiel - Mit einem bunten Festakt haben die Mitglieder und Gäste des Regionalen Praxisnetzes Kiel das zehnjährige Bestehen des Ärztenetzes gefeiert. In ihrer Begrüßung, die auch kritische Töne zu den Entwicklungen im Gesundheitswesen enthielten, machten die Vorstandssprecher Matthias Seusing und Dr. Wolfgang Keil deutlich, wie stark sich die Organisation im vergangenen Jahrzehnt verändert hat. "Aus dem relativ losen Verbund von einigen Kieler Ärzten ist inzwischen ein Service-Unternehmen für die Praxen, aber zuweilen auch schon so etwas wie die Außerparlamentarische Opposition der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein geworden - und zwar aus sachlichen Gründen, nicht einfach, um nur "Anti" zu sein. Die Standpunkte, die nichts mit der Stromlinienförmigkeit eloquenter Politiker und Funktionäre zu tun hätten, sorgten für produktive Diskussionen und vielfältige Anregungen.
Der RPN-Gründung 1997 ging das Bemühen der Kassenärztlichen Vereinigung voraus, Ärzte durch kleinere Organisationsstrukturen unter den immer schwerer werdenden politischen Rahmenbedingungen regional zu unterstützen. Für eine finanzielle Unterstützung sorgte die AOK Schleswig-Holstein. Am Start beteiligten sich schließlich 280 Ärzte am Netz, heute sind es mehr als 400 aus über 300 Praxen. Damit ist das RPN das größte Ärztenetz Deutschlands.
Die eher ungewöhnliche Organisation des RPN hat sich bis heute erhalten: Das Netz ist in Unternetze unterteilt, in denen die "Abgeordneten" für den Sprecherbeirat gewählt werden. Der Sprecherbeirat - das Beschlussorgan des Gesamtnetzes - wählt seinerseits den Vorstand, der jedoch von der Vollversammlung entlastet wird. Schaltstelle des Netzes ist die Leitstelle, die für die Umsetzung der Vorgaben des Beirats verantwortlich ist.
Bei allen - auch politischen - Aktionen und Aktivitäten der folgenden Jahre hatte das RPN stets die Verbesserung der Patientenversorgung in Kiel im Blick. Dazu wurden die interne Kommunikation zwischen den Ärzten verbessert und diverse Arbeitsgruppen ins Leben gerufen. Eine AG befasst sich zum Beispiel mit dem Abfassen von so genannten "Arzneimittelbriefen", in denen die Ärzte über Entwicklungen auf dem Medikamentenmarkt auf dem Laufenden gehalten werden. Darüber hinaus gibt das RPN ein eigenes Qualitätsmanagement-Handbuch sowie einen regelmäßig erscheinenden Erläuterungsbrief heraus. Auch die Vermeidung unnötiger Krankenhausaufenthalte zählt zur langen Liste der RPN-Aktivitäten, die allesamt der Gesundheit der Patienten dienen und den größten Teil der RPN-Arbeit ausmachen, aber eher im Hintergrund stattfinden.
In der Öffentlichkeit eher bekannt sind die gesundheitspolitischen Aktionen, in denen die Kieler Ärzte ihre Unzufriedenheit mit der Entwicklung im Gesundheitswesen zuweilen lautstark, zuweilen auch kritisch-originell Ausdruck verleihen. Demonstrationen im Kieler Innenstadt-Bereich, Fahrten nach Berlin sowie der lustige Socken-Protest sorgten für einiges Aufsehen. Aber auch Veranstaltungen wie die emotional geprägte Podiumsdiskussion zum Thema Heilmittelrichtlinien erreichten die Patienten.
Redner, die während des Festaktes einen Ausblick wagten, deuten bereits an, dass das regionale Praxisnetz Kiel jedoch kaum eine Möglichkeit habe, sich auf den eigenen "Lorbeeren" auszuruhen. Gegenüber größeren Organisationen habe das RPN den Vorteil, aufgrund seiner schlanken Entscheidungsstrukturen viel schneller auf neuartige Gegebenheiten reagieren zu können. Die Arbeit werde sich daher weiterhin an den komplizierten Vorgängen im Gesundheitswesen orientieren und den Service-Charakter noch weiter in den Vordergrund schieben.